Empty Nose Syndrome: Keine Luft trotz offener Nase

Es ist paradox: Obwohl die Nase komplett frei ist, haben Patienten das Gefühl, zu wenig Luft durch die Nase zu bekommen. Das sogenannte Empty Nose Syndrome (deutsch: Syndrom der leeren Nase) ist eine Erkrankung, die nach einer operativen Verkleinerung oder Entfernung der Nasenmuschel auftreten kann. Hier erfahren Sie mehr über das Phänomen!

Bei dem Empty Nose Syndrome (ENS) fühlt es sich nur so an, als wäre die Nase verstopft

Empty Nose Syndrome: Das Wichtigste auf einem Blick

  • Bei dem Empty Nose Syndrome empfinden Betroffene ihre Nase als trocken und leiden gleichzeitig an Atemnot.
  • Ursache dieser Beschwerde ist eine unsachgemäße Entfernung oder Verkleinerung der Nasenmuschel.
  • Zur Linderung der Beschwerden müssen Patienten ihre Nasenschleimhaut stets gut feucht halten. Führen die Symptome zu einer starken Beeinträchtigung im Alltag, ist unter Umständen eine erneute Operation notwendig.

Was ist das Empty Nose Syndrome?

Der Begriff „Empty Nose Syndrome“ (ENS) wurde erstmals 1994 von amerikanischen Ärzten verwendet. Einige Patienten, bei denen eine Nasenmuschelverkleinerung durchgeführt wurde, berichteten den Ärzten zu deren Verwunderung von Nasenatmungsschwierigkeiten und gleichzeitig dem Gefühl einer trockenen Nase. Die Ärzte konnten jedoch keinerlei Behinderung im Nasendurchgang feststellen. Während bei manchen Patienten die Beschwerden bereits einige Tage nach der Nasenoperation auftreten, äußert sich das Syndrom bei anderen erst nach Monaten oder sogar Jahren.

Symptome des Empty Nose Syndrome

Wie die Bezeichnung des Syndroms bereits sagt, fühlt sich die Nase durch die eingeschränkte Schleimproduktion leer und trocken an. Betroffene haben das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen, obwohl die Nase offen ist. Häufig leiden Menschen mit Empty Nose Syndrome zudem an trockenem Schnupfen. Interessanterweise geht es den Betroffenen meist dann etwas besser, wenn sie eine Erkältung haben.

Trockener Schnupfen – was ist das?
Ein trockener Schnupfen (Rhinitis sicca) ist nicht unbedingt mit normalem Schnupfen vergleichbar, denn er äußert sich nicht durch eine laufende Nase. Da die Nasenschleimhaut sehr trocken ist, haben Betroffene meist eine schmerzende, brennende Nase. Juckreiz und Niesanfälle zählen ebenfalls zu den Symptomen von trockenem Schnupfen. Ein trockener Schnupfen kann sowohl durch eine Erkältung als auch durch eine Allergie ausgelöst werden.

Neben diesen Hauptmerkmalen des Empty Nose Syndrome, können jedoch noch weitere Symptome auftreten. Dazu gehören:

  • chronisches Trockenheitsgefühl in der Nase und/oder im Rachen
  • Kälteempfinden in der Nase
  • Kopfschmerzen
  • Nasenbluten
  • Verkrustungen in der Nase
  • teilweise Verlust des Geruchsinns und/oder Geschmackssinns
  • Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Gerüchen

Ebenfalls wirken sich die Nasenprobleme auf das Sprechen aus. Die Stimme von Betroffenen klingt in einigen Fällen näselnd. Und auch die Kurzatmigkeit erschwert das Aussprechen von langen Sätzen. Das Gefühl, keine Luft zu bekommen, führt bei vielen Betroffenen zu Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und Erstickungsangst. Da das Syndrom der leeren Nase den Alltag der Betroffenen teils stark belastet, können depressive Verstimmungen eine Folge des Syndroms sein.

Ursachen des Empty Nose Syndrome

Beim Empty Nose Syndrome handelt es sich nicht um eine Krankheit im eigentlichen Sinne, sondern um Beschwerden, die in Folge einer Nasenmuschelverkleinerung (Conchotomie) auftreten können. Eine solche Nasenoperation wird vor allem bei stark vergrößerten Nasenmuscheln durchgeführt, wenn diese die Nasenatmung behindern oder für Schnarchen verantwortlich sind. Zu den Ursachen, die zu einem chronischen Anschwellen der Nasenmuscheln führen können, zählen Medikamente, Allergien, Reizstoffe in der Atemluft, chronische Nasennebenhöhlenentzündungen sowie häufiges Benutzen von abschwellenden Nasensprays. Bei Menschen mit einer Nasenscheidewandverkrümmung ist die Wahrscheinlichkeit ebenfalls größer, dass sie Probleme mit den Nasenmuscheln entwickeln. Aus medizinischen Gründen kann es deshalb notwendig sein, bei manchen Menschen eine Nasenscheidewandkorrektur vorzunehmen oder die Nasenmuscheln zu verkleinern. Die Erkenntnis, dass eine zu starke Verkleinerung jedoch zu dem Empty Nose Syndrome führen kann, setzt sich erst seit einigen Jahren durch. Aber nicht nur aus gesundheitlichen Gründen, sondern auch in der Schönheitschirurgie werden zum Zweck der Nasenkorrektur sowie nach Unfällen oder Tumorerkrankungen Nasenmuschelverkleinerungen durchgeführt.

Welche Funktion hat die Nasenmuschel?
Der Mensch besitzt genau genommen nicht eine, sondern drei Nasenmuscheln: eine untere, mittlere und obere Nasenmuschel, die auf beiden Seiten der Nasenscheidewand liegen. Die Nasenmuscheln sind Filter, Luftbefeuchter und Heizung zugleich. Sie produzieren Schleim, der die Nase feucht hält und Bakterien und Staubteilchen abfängt, und erwärmen die Atemluft.

Durch die zu starke Nasenmuschelverkleinerung können die Nasenmuscheln ihre Funktionen nicht mehr richtig erfüllen. Die Schleimproduktion wird eingeschränkt, wodurch die Schleimhäute die eingeatmete Luft nicht mehr ausreichend befeuchten und erwärmen können. Die Nase fühlt sich oft trocken an. Auch Schadstoffe werden nicht mehr optimal gefiltert und gelangen leichter in die Nasenhöhle. Die Aerodynamik der Nasenatmung ist bei den Betroffenen ebenfalls gestört. Die Luft fließt nur noch durch die unteren Nasenhöhlen. Diese turbulente Luftströmung führt vermutlich zu dem Gefühl der verstopften Nase. Letzteres wird dadurch verstärkt, dass die Drucksensoren der Nasenmuscheln das Gehirn unzureichend über die Luftströme informieren.

Therapie des Empty Nose Syndrome

Zur Behandlung des Empty Nose Syndrome wird zunächst versucht, die Beschwerden durch eine intensive Nasenpflege in den Griff zu bekommen. Führen diese Maßnahmen nicht zu einer Verbesserung des Zustands beim Patienten, ist unter Umständen ein weiterer chirurgischer Eingriff notwendig.

Pflege der Nasenschleimhaut

Bei einem Syndrom der leeren Nase raten Ärzte in der Regel dazu, die Symptome zunächst durch eine ausreichende Pflege der Nasenschleimhaut zu behandeln. Hierfür werden folgende Maßnahmen empfohlen:

  • Eine tägliche Reinigung der Nase mittels Spülungen oder Inhalationen hält die Nase offen.
  • Nasensalben oder -öl können helfen, die Nasenschleimhaut immer feucht zu halten. Besonders geeignet sind hierfür Nasensprays mit Meerwasser, Dexpanthenol oder Hyaluronsäure. Diese können auch über einen längeren Zeitraum hinweg benutzt werden.
  • Betroffene sollten viel trinken (zwei bis drei Liter am Tag). Dies schützt die Nasenschleimhaut vor dem Austrocknen.
  • Die Nutzung von Raumbefeuchtern hält die Nasenschleimhaut ebenfalls feucht und lindert dadurch die Beschwerden.
  • Besonders Meeresklima tut der empfindlichen Nase gut, weshalb Urlaubsregionen am Meer geeignete Reiseziele für Betroffene sind.

Außerdem sollten Menschen mit Empty Nose Syndrome sich gesund ernähren und ausreichend bewegen. Denn auch durch einen aktiven Lebensstil können die Beschwerden – und insbesondere psychische Folgen – positiv beeinflusst werden.

Operation bei einem Empty Nose Syndrome

Bringen diese Maßnahmen wenig Besserung, müssen Betroffene über eine erneute Operation nachdenken. Da das Syndrom der leeren Nase relativ neu und bisher nicht ausreichend erforscht ist, gibt es keine Standard-OP. In Deutschland gibt es jedoch einige Chirurgen, die sich auf die Behandlung dieses Beschwerdebildes spezialisiert haben. Eine chirurgische Maßnahme zielt beispielsweise darauf ab, die fehlenden Nasenmuscheln durch Implantate zu ersetzten. Im Idealfall können diese die Luftströme wieder normalisieren und Beschwerden wie eine trockene Nase lindern.