Niesen: Explosionsartige Druckentweichung

Um das Niesen haben sich schon viele Mythen gerankt. Menschen betrachteten Niesattacken zum einen als Vorbote der Pest oder glaubten, dass bei heftigem Niesen die Augen herausfallen können. Zum anderen wurde Niesen jedoch auch als göttliches Zeichen interpretiert. Dieser Gedanke ist heute noch immer in einigen Redewendungen wie „God bless you!“ verankert. Fakt ist: Niesen ist weder gefährlich noch ein übernatürliches Phänomen, sondern ein Reinigungsmechanismus des Körpers. Warum und wie wir genau niesen, lesen Sie hier.

Baby, das niesen muss.

Der Niesreflex – Eine Schutzfunktion unseres Körpers

Das explosionsartige Ausstoßen von Luft durch die Nase wird über einen Niesreflex ausgelöst. Dieser reagiert wiederum auf einen Niesreiz. Eine solche Reizung in der Nase kann beispielsweise von Staub oder anderen Fremdkörpern ausgelöst werden. Durch das Niesen versucht der Körper diese wieder loszuwerden. Die sensiblen Nerven auf der Nasenschleimhaut alarmieren das sogenannte Nieszentrum, das sich im verlängerten Rückenmark befindet, welches den Niesreflex auslöst. Die Niesattacke kündigt sich dann meist schon mit einem Kribbeln in der Nase an und verläuft – wenn man es genau nimmt – in drei Schritten:

  • Die erste Reaktion auf den Reflex ist tiefes Einatmen.
  • Im zweiten Schritt wird der Atem für den Bruchteil einer Sekunde angehalten. Das Gaumensegel schließt sich und die Verbindung zwischen Nase und Rachen wird geschlossen.
  • Dann ziehen sich Bauch- und Brustmuskulatur (unter anderem das Zwerchfell) plötzlich zusammen und die Luft kann mit einer unglaublichen Wucht entweichen.

Bestenfalls entweichen die Fremdkörper mit dem Niesen. Ansonsten kann es auch zu vermehrten Niesattacken hintereinanderkommen. Übrigens schließen wir während der Niesattacke immer unwillkürlich die Augen, weil neben den Brustmuskeln auch Muskeln im Gesicht angespannt werden.

Gut zu wissen:
Die Geschwindigkeit der Luft, die beim Niesen ausgestoßen wird, kann es locker mit einem Orkan aufnehmen: Bis zu 160 Kilometer pro Stunde!

Erkältung und Niesen

„Hatschi!“ – dieses Geräusch hört man vor allem während Erkältungszeiten häufig. Neben Schnupfen leiden viele Menschen, die sich eine Grippe oder eine Erkältung eingefangen haben, auch an Niesattacken. Der Körper versucht dadurch, die lästigen Bakterien und Viren wieder loszuwerden. Aber Achtung: Freud und Leid sind beim Niesen nah beieinander. Denn während sich der Erkrankte beim Niesen von Krankheitserregern befreit, können andere damit angesteckt werden. Deshalb müssen Erkrankte beim Niesen einen Sicherheitsabstand von etwa sechs Metern halten, um niemanden im Umfeld anzustecken. Ist dies nicht möglich, zum Beispiel in einem engen Bus, sollten Kranke in den Ellbogen niesen. Wenn stattdessen die Hand als Schutz davorgehalten wird, empfiehlt es sich diese gleich im Anschluss zu waschen, um die Krankheitserreger nicht zu verbreiten.

Weitere Ursachen für Niesattacken

Neben Erkältungsviren und Bakterien gibt es jedoch noch viele weitere Auslöser, die eine Niesattacke hervorrufen können. Dazu zählen:

  • Staub: Wenn Staubpartikel oder anderer Schmutz in die Nase gelangen, wird der Niesreflex aktiviert.
  • Gewürze: Stark riechende Gewürze wie Pfeffer stimulieren die Nasenschleimhaut, was zum Niesen führt.
  • Licht: Manche Menschen müssen auch bei sehr hellem Licht niesen. Dieses Phänomen, das auch photischer Niesreflex genannt wird, ist bisher noch nicht wissenschaftlich geklärt. Vermutlich liegt es daran, dass der Sehnerv sehr nahe an dem sensiblen Nerv liegt, der auch für die Nasenschleimhaut verantwortlich ist.
  • Pollen: Allergiker kennen häufiges Niesen nur allzu gut. Sie reagieren auf bestimmte Stoffe wie Blütenpollen (zum Beispiel bei Heuschnupfen) oder Tierhaare allergisch.

In der Regel ist Niesen völlig harmlos. Sollten die Niesattacken jedoch plötzlich sehr oft auftreten, ist ein Arztbesuch sinnvoll. Dieser kann beispielsweise feststellen, ob eine Allergie vorliegt. Häufiges Niesen kann zudem auf eine nasale Hyperreaktivität hinweisen. Betroffene reagieren besonders empfindlich auf verschiedenartige Reize und leiden zudem an Symptomen wie einer laufenden Nase, Atmungsbehinderungen sowie Niesreiz.

Skurrile Auslöser von Niesattacken

Einige Auslöser klingen zugegebenermaßen vielleicht etwas seltsam, aber auch beim Zupfen der Augenbrauen oder Kämmen der Haare wird hin und wieder der Niesreflex angeregt. Dahinter steckt in diesem Fall der Drillingsnerv Trigeminus, der Teile des Gesichts durchläuft. Außerdem vermuten einige Forscher, dass der Gedanke an Sex Männer zum Niesen bringen kann.

Kann man das Niesen unterdrücken?

Niesen kann in manchen Situationen unangenehm sein. Jedoch sollte man trotzdem das Unterdrücken von Niesen vermeiden. Denn wenn man die Nase beim Niesen zuhält, entsteht in ihr ein hoher Druck, der zum Beispiel das Trommelfell schädigen kann. Bei einer Erkältung können durch das Zuhalten zudem Krankheitserreger in die Nasennebenhöhlen gelangen und dort zu Entzündungen führen. Besser man versucht das Niesen im Keim zu ersticken. Kündigt sich die Niesattacke mit einem Kribbeln in der Nase an, hilft es manchmal einen Finger unter die Nase zu halten oder die Zunge fest gegen den Daumen zu drücken.

Unser Tipp:
Laut Knigge gehört es sich nicht, einer anderen Person nach dem Niesen „Gesundheit“ zu wünschen. Dadurch macht man nur auf die Niesattacke aufmerksam. Nach der korrekten Höflichkeitsetikette entschuldigt sich der Niesende bei seinen Mitmenschen, die das freundlich nickend quittieren.

Hier finden Sie weitere Infos:

Alles über Schnupfen >>

Aufbau und Funktion der Nasenschleimhaut >>

Filterfunktion der Nase >>