Kieferhöhlenentzündung: Die häufigste Form der Nasennebenhöhlenentzündung

Kieferhöhlenentzündung - Frauenkiefer im Profil

Eine Kieferhöhlenentzündung (Sinusitis maxillaris) entsteht häufig im Rahmen einer Erkältung. Denn durch angeschwollene Schleimhäute werden die Kieferhöhlen zu abgedichteten Bereichen, in denen Keime einen idealen Nährboden vorfinden. Eine zweite Ursache für eine Kieferhöhlenentzündung kann eine Zahnentzündung im Oberkiefer sein. Im Regelfall lässt sich eine Kieferhöhlenentzündung gut behandeln.

Kieferhöhlenentzündung: Das Wichtigste auf einen Blick

  • Hauptsymptome sind Schmerzen im Bereich der Wangen, die sich beim Vorbeugen verstärken, eine behinderte Nasenatmung und ein allgemeines Krankheitsgefühl.
  • Kieferhöhlenentzündungen entstehen vor allem nach einem viralen Infekt, können aber auch von den Zähnen ausgehen.
  • Meist verläuft eine Kieferhöhlenentzündung komplikationslos und ist nach zwei Wochen ausgeheilt.

Warum sich die Kieferhöhlen schnell entzünden

Die Kieferhöhle gehört neben der Stirn- und Keilbeinhöhle zu den Nasennebenhöhlen.
Vor allem während einer Erkältung entzünden sich die Schleimhäute der Nebenhöhlen schnell, was zu einem schmerzhaften Druckgefühl, schleimig-eitrigem Ausfluss und einem allgemeinen Krankheitsgefühl führen kann.Kieferhöhlenentzündung: Lage der Kieferhöhlen

Die Kieferhöhlen liegen direkt neben der Nase, oberhalb des Oberkiefers. Gerade wegen dieser Lage kommt ihnen eine besondere Bedeutung zu:
Zum einen breitet sich ein Infekt über die nahegelegene Nase schnell in die Kieferhöhle aus. Daher ist sie eher von Entzündungen betroffen als beispielsweise die Stirnhöhle. Zum anderen grenzt die Kieferhöhle direkt an den Oberkieferknochen und den darin liegenden Zahnwurzeln. So ist es möglich, dass Infektionen der Zahnwurzeln auf die Kieferhöhle übergreifen und dort zu einer Entzündung führen.

Daran erkennen Sie eine Kieferhöhlenentzündung

Eine Kieferhöhlenentzündung macht sich durch folgende Symptome bemerkbar:

  • Schmerzhaftes Druckgefühl im Bereich der Wangen, Ausstrahlen der Schmerzen bis in die Stirn möglich
  • Schmerzen verstärken sich beim Vorbeugen des Kopfes
  • Behinderte Nasenatmung, Geruchssinn geht teilweise oder ganz verloren
  • Zahnschmerzen
  • Möglicherweise ein gelblich-eitriger Ausfluss aus der Nase
  • Husten, ausgelöst durch zähflüssigen Schleim, der den Rachen hinunterrinnt
  • Allgemeine Krankheitssymptome wie Abgeschlagenheit und Fieber

Nicht immer treten alle Symptome gemeinsam auf. Nur ein sich verstärkender Schmerz beim Vorneüberbeugen spüren nahezu alle Erkrankten. Betroffene können die Schmerzen einer Kieferhöhlenentzündung mit Zahnschmerzen verwechseln, da der Schmerz recht häufig auf die Zähne ausstrahlt.
Wenn die Kieferhöhlenentzündung tatsächlich von den Zähnen ausgeht, sind folgende Symptome typisch:

  • Die Beschwerden treten einseitig auf.
  • Eine Wange ist angeschwollen.
  • Es entstehen Schmerzen beim Zusammenbeißen oder Abklopfen der Zähne.

Eine ärztliche Untersuchung bringt meist Aufschluss über die Ursache der Kieferhöhlenentzündung.
Selten entstehen bei einer Kieferhöhlenentzündung Komplikationen: So kann die Kieferhöhle in benachbarte Gewebe aufbrechen und sich die Infektion ausbreiten. In der Folge bilden sich Abszesse in der Wange oder der Augenhöhle.

Die Ursachen für Kieferhöhlenentzündungen: Infekt oder entzündeter Zahn?

In 95 Prozent der Fälle ist eine akute Kieferhöhlenentzündung Folge eines Schnupfens (Rhinitis). Meist sind Viren, beispielsweise Rhino- oder Influenzaviren, die Auslöser. Seltener steckt eine bakterielle Infektion hinter einer Kieferhöhlenentzündung. Die Bakterien befallen gern die durch Viren vorgeschädigte Schleimhäute im zweiten Schritt (Superinfektion).

Kieferhöhlenentzündung infolge eines Infekts

Für eine normale Funktion der Nebenhöhlen sind zwei Voraussetzungen entscheidend: Sowohl eine gute Belüftung als auch ein ungehindertes Abfließen von Sekret müssen möglich sein. Schwellen die Schleimhäute der Nase infolge eines Schnupfens jedoch zu, sind die schmalen Verbindungsgänge (Ostien) zu den Nebenhöhlen blockiert. Belüftung und Sekretabfluss sind behindert, sodass sich die Schleimhäute der Nebenhöhlen entzünden. Ein Kreislauf entsteht, wobei sich die einzelnen Faktoren immer weiter verstärken.

Kreislauf einer Kieferhöhlenentzündung

Kreislauf einer Kieferhöhlenentzündung

 

Kieferhöhlenentzündung infolge einer Zahnentzündung

Seltener geht eine Kieferhöhlenentzündung von den Zähnen aus (odontogene Kieferhöhlenentzündung). Folgende Ursachen sind möglich:

  • Akute Wurzelspitzenentzündung
  • Verlagerter Zahn (häufig Weisheitszahn, der in die Kieferhöhle ragt)
  • Ein Zahnwurzelrest, der bei einer Wurzelbehandlung in die Kieferhöhle gedrückt wurde
  • Eine Öffnung zwischen Mund- und Kieferhöhle, die beispielsweise beim Entfernen eines Zahns oder beim Setzen eines Implantats entstanden ist
  • Zyste im Bereich der Zahnwurzel

In diesem Fall muss neben der symptomatischen Behandlung eine Zahnbehandlung erfolgen, welche die Ursache für die Kieferhöhlenentzündung behebt.

Pilze als Ursache für eine Kieferhöhlenentzündung

Häufiger als angenommen kann die Kieferhöhlenentzündung auch von einem Pilz ausgelöst werden. Gefördert wird ein Befall durch den Schimmelpilz Aspergillus etwa dadurch, dass zinkhaltiges Zahnwurzel-Füllmaterial in die Kieferhöhle gedrückt wurde. Eine Pilzinfektion führt zudem häufig zu einer chronischen Sinusitis. Mehr dazu lesen Sie im Artikel Nasenpilz.

Was hilft bei einer Kieferhöhlenentzündung?

Der erste Schritt der Behandlung besteht darin, die Belüftung der Nebenhöhlen wiederherzustellen und den Sekretabfluss zu ermöglichen – unabhängig davon, ob die Kieferhöhlenentzündung aus einem Infekt heraus oder aufgrund von Zahnbeschwerden entstanden ist. Dies kann mit einer Eigenbehandlung folgendermaßen erreicht werden:

  • Ein abschwellendes Nasenspray hilft dabei, die Gänge zwischen Nase und Nebenhöhlen wieder frei zu machen. Die Nasenatmung wird dadurch ermöglicht. Sprays mit Wirkstoffen wie Xylometazolin sollten aber wegen des Gewöhnungseffekts nicht länger als sieben Tage am Stück verwendet werden. Als sanfte Alternative eignen sich Nasensprays mit Meerwasser.
  • Mit schleimlösenden Mitteln, sogenannten Sekretolytika, wird der zähe Schleim verflüssigt und kann leichter abtransportiert werden. In der Apotheke steht eine große Auswahl an pflanzlichen Wirkstoffen zur Verfügung.
  • Wärme, beispielsweise durch feuchtwarme Umschläge oder eine Infrarotlampe, hilft beim Abschwellen. Auch Inhalationen mit ätherischen Ölen können unterstützend eingesetzt werden.

In den meisten Fällen reichen diese Maßnahmen aus, um die Beschwerden nach einigen Tagen abklingen zu lassen. Wenn sich mit den genannten Maßnahmen die Symptome nicht bessern beziehungsweise immer wiederkehren, ist ein Arztbesuch anzuraten.

Wärme hilft gegen die Beschwerden einer Kieferhöhlenentzündung

Ärztliche Diagnose bei Kieferhöhlenentzündung

Eine Kieferhöhlenentzündung, ausgelöst durch eine Infektion, heilt in der Regel nach 14 Tagen wieder aus. Eine deutliche Verbesserung der Symptome ist schon nach einigen Tagen zu spüren. Ist dies nicht der Fall oder verstärken sich die Symptome gar, ist ein Arzt aufzusuchen. Das gleiche gilt, wenn der Verdacht besteht, dass die Ursache für die Kieferhöhlenentzündung in den Zähnen liegt. Dann muss ein Zahnarzt den Auslöser beseitigen.
Der Arzt kann mit folgenden, diagnostischen Hilfsmitteln eine Untersuchung durchführen:

  • Befragen des Patienten: Seit wann bestehen die Symptome, wo genau sind die Schmerzen lokalisiert?
  • Abtasten oder Abklopfen der schmerzenden Stellen im Gesicht: Verstärkt sich der Schmerz dadurch, spricht das für eine Entzündung der Kieferhöhlen.
  • Inspizieren der Kieferhöhle durch ein Nasenendoskop: Dieses dünne Instrument führt der Arzt in die Nase ein. Mit einer Kamera kann er die Schleimhäute begutachten. Findet er Schwellungen, Eiterspuren oder verschlossene Gänge, liegt eine Entzündung vor.
  • Durchführen von bilddiagnostischen Maßnahmen wie Ultraschall oder Computertomographie (CT): Dadurch lassen sich auch ein Pilzbefall oder ein verlagerter Zahn feststellen.
  • Inspizieren des Zahnstatus: Sind Oberkieferzähne klopfempfindlich oder übersensibel? Falls ja, sind vermutlich die Zähne Ursache für die Entzündung.
  • Test auf eine Mund-Antrum-Verbindung: Besteht der Verdacht auf eine offene Verbindung zwischen Mund- und Kieferhöhle (Mund-Antrum), wird der Arzt Sie bitten, bei geöffnetem Mund und zugehaltener Nase kräftig zu schnaufen (Nasenblasversuch). Besteht eine Verbindung, kann der Arzt einen Luftstrom in der Mundhöhle hören beziehungsweise spüren.

Findet der untersuchende Arzt eine Eiteransammlung in der Kieferhöhle, wird er einen Abstrich machen und im Labor auf bakterielle Erreger untersuchen lassen. Je nach Ergebnis ist ein Antibiotikum zur Behandlung notwendig.
Bei schweren Formen der Kieferhöhlenentzündung kann der Arzt folgende Therapien einsetzen:

  • Spülungen der Kieferhöhle
  • Erweiterung von engen Verbindungskanälen durch eine Ballonsinuplastik (Verengte Kanäle werden erweitert, indem sie schonend auseinandergedrückt werden.)
Hinweis:
Antibiotika sind nur sinnvoll, wenn es sich nachweislich um eine bakterielle Infektion handelt.

Behandlung bei Zahnbeschwerden

Kieferhöhlenentzündung und Zahnbeschwerden

Sobald die Kieferhöhlenentzündung von den Zähnen ausgelöst wird, muss eine zahnärztliche Behandlung erfolgen. Diese beginnt aber erst, wenn die Entzündung der Kieferhöhlen abgeklungen ist. Die Ursache beseitigt dann der Zahnarzt, beispielsweise durch:

  • Das Schließen der Verbindung zwischen Mund- und Kieferhöhle
  • Wurzelbehandlung des entzündeten Zahns
  • Eventuell Ziehen des entzündeten Zahns
  • Entfernen eines Zahns oder einer Wurzel, welcher in die Kieferhöhle ragt

Nach dieser ursächlichen Behandlung klingt in den meisten Fällen die Kieferhöhlenentzündung schnell wieder ab.

Kieferhöhlenentzündung nach dem Fliegen oder Tauchen?

Selten kann eine Kieferhöhlenentzündung beim Fliegen oder Tauchen entstehen beziehungsweise sich dadurch verstärken (Barosinusitis). Grund ist der fehlende Druckausgleich: Sind die Nasenschleimhäute infolge einer Infektion angeschwollen oder bestehen andere Gründe für eine Verengung der Nasengänge, sammelt sich Luft in den Nebenhöhlen an. Der Druck in diesen Hohlräumen kann nicht entweichen und steigt dadurch an, sodass sich die Schleimhäute schließlich entzünden.
Auch im Schwimmbad kann durch Keime im Wasser eine Kieferhöhlenentzündung ausgelöst werden.

Wenn die Kieferhöhlenentzündung chronisch wird

Von einer chronischen Kieferhöhlenentzündung spricht man, wenn die Erkrankung zwei bis drei Monate anhält oder regelmäßig wiederkehrt. Die Symptome für eine chronische Kieferhöhlenentzündung sind meist schwächer als die der akuten. Dumpfe Kopfschmerzen, einseitiger Schnupfen, Schmerzen, die durch das Vorbeugen verstärkt werden, oder ein vermindertes Riechvermögen sind charakteristische Beschwerden.

Ursachen für die die chronische Kieferhöhlenentzündung können sein:

Je nach Ursache erfolgt die Behandlung. Sind Zysten oder Polypen der Auslöser, werden diese meist mit kortisonhaltigem Nasenspray verkleinert oder operativ entfernt. Ein Pilzbefall wird mit Anti-Pilz-Mitteln (Antimykotika) behandelt und meist auch durch eine Operation entnommen. Mithilfe eines Silikonröhrchens lassen sich verengte Nasengänge erweitern. Tumoren müssen ebenfalls durch ein OP behandelt werden.
Auch eine offene Stelle zwischen der Mund- und der Kieferhöhle kann eine chronische Kieferhöhlenentzündung auslösen. In diesem Fall muss die Verbindung geschlossen werden.