Nasenbluten: Ursachen, Sofortmaßnahmen und Vorbeugung

1. März 2016
22 Min.

Nasenbluten (Epistaxis) löst bei Betroffenen häufig einen Schreckensmoment aus, da das Blut meist ganz unerwartet aus der Nase rinnt. Dennoch: Die Auslöser sind in der Regel völlig harmlos – manchmal genügt schon ein gewöhnlicher Schnupfen. Wer aber sehr oft an Nasenbluten leidet, sollte einen Arzt aufsuchen, um die Ursachen feststellen zu lassen.

Nasenbluten – das müssen Sie wissen:

  • Verschiedene Faktoren können Nasenbluten herbeiführen. Zu kräftiges Schnäuzen bei einer Erkältung, Bluthochdruck oder eine Schwangerschaft kommen zum Beispiel infrage.
  • Als Sofortmaßnahme eignet sich eine kühle Kompresse im Nacken – das stillt die Blutung. Außerdem sollte der Kopf nach vorne gebeugt und nicht nach hinten gelegt werden.
  • Falls das Nasenbluten nach 20 Minuten noch immer nicht nachgelassen hat, ist dingend ein Arztbesuch notwendig.4
  • Wer eine empfindliche Nasenschleimhaut hat, die sehr schnell anfängt zu bluten, sollte seine Nase regelmäßig pflegen, um so Blutungen vorzubeugen.


Übersicht


Nasenbluten: Mögliche Gründe

Häufig liegen die Auslöser direkt im Bereich der Nase oder der Nasennebenhöhlen selbst — Mediziner sprechen dann von lokalen Ursachen. Im Gegensatz dazu stehen die systemischen Ursachen. Hier sind beispielsweise Erkrankungen der Gefäße, grippale Infekte oder ein zu hoher Blutdruck verantwortlich für die Blutung.

Was unterscheidet anteriores von posteriorem Nasenbluten?

Während sich „lokal“ und „systemisch“ auf die möglichen Auslöser beziehen, beschreiben die Angaben „anterior“ und „posterior“ den Ort der Blutung.

Der Begriff „anterior“ bedeutet so viel wie „weiter vorne gelegen“. Bei einem anterioren Nasenbluten (das in etwa 90 Prozent aller Fälle auftritt) kommt es also zu einer Blutung aus dem vorderen Bereich der Nase, meist aus den Gefäßen der Nasenscheidewand.

Posteriores, also „weiter hinten gelegenes“ Nasenbluten hingegen hat seinen Ursprung in der Regel in den hinteren Nasenabschnitten. Hierbei läuft das Blut vermehrt in den Rachen statt aus der Nase. Bei nur etwa 10 Prozent der Fälle entsteht die Blutung im posterioren Teil des Riechorgans.1

Mehr zur lokalen Ursache von Nasenbluten

Bei einer lokalen Epistaxis rinnt das Blut aus der Nase, da die Blutgefäße verletzt wurden. Das geschieht manchmal schnell: Die Nasenschleimhaut ist von zahlreichen, sehr feinen Arterien und Venen (kleinen Gefäßen) durchzogen, die empfindlich auf Druckänderungen oder stumpfe Einwirkungen von außen reagieren. So genügt bei Menschen mit sensiblen Blutgefäßen oft schon heftiges Schnäuzen, eine Niesattacke oder auch Nasebohren und das Blut fließt. Häufig sind hiervon die Gefäße des sogenannten Locus Kiesselbachi betroffen – so wird der Bereich im vorderen Teil der Nase an der Nasenscheidewand genannt. Hier treffen gleich mehrere Blutleitungen zusammen.

Auch kalte Wintermonate können sich negativ auf das Innere der Nase auswirken. Die warme Heizungsluft in den Häusern, in Kombination mit eisigen Windböen draußen, kann die Nasenschleimhaut strapazieren und austrocknen. Sie wird rissig, platzt auf und mit ihr die Gefäße.

Erkältung und Epistaxis:

Wer an einer Erkältung oder einem allergiebedingten Schnupfen leidet, kann eventuell ab und zu aus der Nase bluten. Der Grund hierfür ist eine geschwollene Nasenschleimhaut: Jede Art von Schnupfen, egal ob ausgelöst durch einen grippalen Infekt oder Pollen, lässt die Schleimhaut dicker werden — was sie empfindlicher macht.

Nasenbluten kann zudem durch äußere Einwirkungen ausgelöst werden. Hierbei reicht manchmal ein Sturz oder ein Schlag ins Gesicht und das Blut rinnt.

Weitere Ursachen:

  • Loch in der Nasenscheidewand (etwa nach Kontakt mit Chemikalien oder Drogen wie Kokain)
  • Reaktion auf die Anpassung des Körpers an veränderte Luftdruckverhältnisse, zum Beispiel beim Bergsteigen oder Tauchen
  • Rhinitis sicca (krankhaft verminderte Produktion von Nasensekret lässt die Nasenschleimhaut extrem austrocknen — die Schleimhaut ist gereizt und es kommt leicht zur Blutung)
  • gut- oder bösartige Tumore (sehr selten)

Nasenbluten als Symptom einer Erkrankung (systemische Ursache)

Manchmal wirken sich bestimmte Allgemeinerkrankungen negativ auf die Nasenschleimhaut aus, man spricht hier dann vom systemischen Nasenbluten.

Zu den Auslösern zählt zum Beispiel eine Blutgerinnungsstörung – hier besteht generell im ganzen Körper eine erhöhte Blutungsneigung. Auch Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) löst unter Umständen Nasenbluten aus, da die Blutgefäße stärker durchblutet werden und mehr Druck aushalten müssen.

Ebenso kann eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) eine systemische Ursache von Nasenbluten sein. Dabei kommt es zu Ablagerungen (zum Beispiel von Blutfetten) an der Gefäßwand, was diese starr und unbeweglich macht: Risse sind die Folge.

Des Weiteren gibt es Erkrankungen, bei denen das körpereigene Abwehrsystem die Blutgefäße angreift. Beim sogenannten Morbus Wegener (Wegener Granulomatose) entzünden sich beispielsweise die Blutgefäße in der Nasenschleimhaut. Bei der vererbbaren Osler-Krankheit (Morbus Osler) können sich kleine Knoten in der Nasenschleimhaut bilden, die schließlich platzen.

Achtung bei Nährstoffmangel!

Auch ein Mangel an beispielsweise Vitamin C oder Vitamin K begünstigt eine Epistaxis, da diese Nährstoffe eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung übernehmen.

Nasenbluten aufgrund einer Blutgerinnungsstörung

Jeder, der sich einmal das Knie durch einen Sturz blutig geschlagen hat, kennt die wichtige Fähigkeit des Blutes, zu gerinnen und dadurch die Wunde zu verschließen (Hämostase). Verantwortlich dafür sind Blutplättchen (Thrombozyten) und Gerinnungseiweiße.

Nasenbluten als Symptom einer Blutgerinnungsstörung (Koagulopathie) kann dann auftreten, wenn die Blutgerinnung zu schwach ausgeprägt ist. Fehlen die für die Gerinnung zuständigen Eiweiße im Blut, spricht man von der „Bluterkrankheit“. Aber auch eine gestörte Bindungsfähigkeit der Blutplättchen kann dafür sorgen, dass sich Wunden nicht mehr richtig verschließen. Schon bei kleinsten Verletzungen der Nasenschleimhaut wie durch Druck oder Kälte kommt es bei Betroffenen deswegen zu Nasenbluten, welches langsamer stoppt als üblich, da die Blutgerinnung verzögert ist. Auch eine erhöhte Anzahl an blauen Flecken oder eine verstärkte Monatsblutung deuten auf eine Koagulopathie hin — vereinbaren Sie beim Verdacht auf diese Erkrankung unbedingt einen Termin bei Ihrem Hausarzt.

Epistaxis als Symptom von Arteriosklerose

Nasenbluten kann zudem ein Anzeichen für eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) sein. Bei einer Arteriosklerose verändern sich die inneren Wände der Blutgefäße, sodass dort Ablagerungen (Plaques) entstehen können. Diese Plaques werden vor allem aus Blutfetten, Bindegewebe und Calciumphosphat gebildet. Sie verengen die Gefäße und machen deren Wände unbeweglich und porös. Im Extremfall können diese Ablagerungen dazu führen, dass der Blutfluss gestoppt wird – es kommt zu einem Gefäßverschluss.

Die Gefäßverkalkung kann in allen Arterien des Körpers auftreten – so auch in der Nase. Charakteristischerweise entstehen die ersten Verkalkungen an Gefäßverzweigungen. Der Locus Kiesselbachi in der vorderen Nasenschleimhaut ist ein solches Gefäßnetz mit Verzweigungen und deswegen unter Umständen von Arteriosklerose betroffen. Bei leichten Beschädigungen der Nasenschleimhaut entstehen so Risse in den durch Arteriosklerose geschädigten Adern und es kommt zu Nasenbluten.

Die Farbe des Blutes ist entscheidend:

Hellrotes (sauerstoffreiches) Blut stammt für gewöhnlich aus Arterien und deutet damit auf Arteriosklerose oder Bluthochdruck als Ursache hin. In Arterien herrscht ein größerer Druck als in Venen, daher treten arterielle Blutungen häufig spritzend und pulsierend auf und sind schwerer zu stoppen.

Dunkelrotes (sauerstoffarmes) Blut hingegen stammt in der Regel aus Venen, tropft oder fließt langsam und lässt sich gut stoppen. Auslöser einer venösen Blutung ist häufig ein Schlag auf die Nase oder eine gereizte Nasenschleimhaut.

Da Arteriosklerose oft jahrelang unbemerkt bleibt, kann häufiges, hellrotes Nasenbluten auf diese gefährliche Allgemeinerkrankung hinweisen. Betroffene sollten deswegen zügig ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Epistaxis durch Bluthochdruck

Besonders Patienten im mittleren und hohen Lebensalter sollten bei häufig wiederkehrendem Nasenbluten auch chronischen Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) als Ursache in Betracht ziehen. Ein langfristig erhöhter Blutdruck von und über 140/90 mmHG (Millimeter Quecksilbersäule) gilt als krankhaft und führt unbehandelt zu Schädigungen der Blutgefäße und Organe.2

Im Gegensatz zu anderen Krankheiten verursacht ein chronischer Bluthochdruck über einen langen Zeitraum hinweg keine sichtbaren Beschwerden. Patienten können sich anfangs sogar besonders gesund und energiegeladen fühlen. Eine arterielle Hypertonie führt allerdings dazu, dass die Blutgefäße stärker durchblutet werden und durch den hohen Druck großen mechanischen Belastungen ausgesetzt sind. Sie verlieren an Widerstandsfähigkeit und Elastizität und es bilden sich feine Risse an der Gefäßinnenwand. Besonders dort, wo mehrere, dünne Blutleitungen zusammentreffen wie im Locus Kiesselbachi, führen diese Minirisse, in Kombination mit dem Überdruck, dann leicht zur blutenden Nase.

Treten bei Ihnen zusätzlich zu chronischem Nasenbluten folgende Symptome auf, besteht der Verdacht auf arterielle Hypertonie:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Kurzatmigkeit
  • Brustschmerzen

Zögern Sie nicht, beim Auftreten dieser Warnsignale möglichst zeitnah einen Mediziner aufzusuchen.

Nasenbluten bei Kindern und Babys

Kinder bluten oft aus dem vorderen (anterioren) Bereich der Nase. Die häufigste Ursache von kindlichem Nasenbluten ist eine lokale Verletzung der Nasenschleimhaut. Dafür kann es mehrere Gründe geben:

  • Schnupfen (Rhinitis): Bei vielen Kindern tritt Nasenbluten als Folge eines Schnupfens auf. Die trockene Schleimhaut ist geschwollen, was sie anfällig für kleine Risse macht. Auch das Naseputzen bei erkältungsbedingter verstopfter Nase führt bei Kindern schnell zu Nasenbluten.
  • Verletzung der Schleimhaut durch Fremdkörper: Kinder schieben sich manchmal Gegenstände wie Murmeln, Knöpfe oder Erbsen in die Nase. Häufig ist es aber der eigene Finger, der die Nasenschleimhaut verletzt und zum Bluten bringt.
  • Wachstumsschübe: Bei starkem Wachstum sind die ohnehin schon empfindlichen kleinen Blutgefäße in der Nase noch verletzlicher und reißen schneller. Vor allem in der Pubertät kommt es zu diesem spontanen Nasenbluten.

Interessant:

Bei Säuglingen sind häufig zu lange (oder nicht rund geschnittene) Fingernägel, mit denen sie sich unbewusst an und in der Nase kratzen, schuld am Nasenbluten. Die Nägel des Babys sollten daher bei Bedarf geschnitten werden (in der Regel ist dies etwa einmal wöchentlich nötig).3

Da Kinder einen erhöhten Spiel- und Bewegungsdrang haben, sind Traumata (Gewalteinwirkungen von außen) und Unfälle häufiger für Nasenbluten verantwortlich, als bei Erwachsenen. So ist es beim Spielen schnell passiert, dass beispielsweise ein Ball das Gesicht trifft und das Kind nicht mehr rechtzeitig reagieren kann.

Auch bestimmte operative Eingriffe im Nasen-/Rachenraum werden bei Kindern häufiger durchgeführt: zum Beispiel die Entfernung einer vergrößerten Rachenmandel, umgangssprachlich „Polypen“ genannt. Die Operation führt leicht zu Nachblutungen im Nasenbereich.

Seltener sind Allgemeinerkrankungen des Körpers, wie die Purpura-Schönlein-Henoch-Krankheit, für kindliches Nasenbluten verantwortlich. Bei dieser Erkrankung, die meist Kinder im Vorschul- oder Schulalter betrifft, kommt es zu einer Entzündung der dünnen Blutgefäße, auch in der Nase. Diese werden „undicht“ und können zu Blutungen führen. Die Krankheit betrifft häufiger Jungen, als Mädchen.4

Bei einem Kind ist es besonders wichtig, ihm die Angst zu nehmen, die das Blut möglicherweise auslöst. Erklären Sie außerdem, dass es den Kopf nach vorne beugen soll und leiten Sie es an, beide Nasenflügel zusammenzudrücken (bei kleinen Kindern übernehmen Sie diese Aufgabe selbst).

Nasenbluten sieht meist schlimmer aus, als es ist.

Epistaxis in der Schwangerschaft: Ursachen

Wenn eine Frau während der Schwangerschaft häufiger von Nasenbluten geplagt wird, besteht normalerweise kein Grund zur Sorge. Durch die Schwangerschaft ändert sich der Hormonhaushalt im Körper. Es wird vermehrt Östrogen gebildet, was für eine Lockerung und Dehnung des Bindegewebes und der Gefäße sorgt. Dadurch nimmt die Durchblutung zu – bei Verletzungen in der Nase kommt es schneller zu Nasenbluten.

Was tun bei Nasenbluten? Diese Sofortmaßnahmen stoppen die Blutung!

Obgleich die meisten Menschen zuerst einen Schreck verspüren, wenn ihnen Blut aus der Nase rinnt, sollten sie dennoch versuchen, ruhig zu bleiben. Mit ein paar einfachen Maßnahmen lässt sich die Blutung für gewöhnlich innerhalb weniger Minuten stoppen. Leisten Sie folgendermaßen Erste Hilfe:

  • Setzen Sie sich gerade hin.
  • Kühlen Sie Ihren Nacken oder die Nasenwurzel (Ansatz der Nase zwischen den Augen) mit einem feuchten Handtuch oder einer kalten Kompresse. Aufgrund der niedrigen Temperatur ziehen sich die Gefäße zusammen und die Blutung wird minimiert.
  • Beugen Sie Ihren Kopf vornüber, damit das Blut aus der Nase fließen kann.
  • Drücken Sie nun die Nasenflügel für einige Minuten ohne Pause fest zusammen. Atmen Sie dabei entspannt durch den Mund ein und aus.
  • Lassen Sie die Nase wieder los. Wenn es weiter blutet, wiederholen Sie den Vorgang.

Zeigen diese Maßnahmen keine Wirkung, sollte der Betroffene dringend zu einem Arzt (zum Beispiel Hausarzt, Hals-Nasen-Ohrenarzt oder ins Krankenhaus) gebracht werden.

Nasenbluten und Bewusstlosigkeit

Eine besonders gefährliche Situation liegt dann vor, wenn die Epistaxis zusammen mit Bewusstlosigkeit (Synkope) auftritt. Bewusstlose Personen reagieren nicht auf ihre Umwelt, da ihr Gehirn kurzzeitig nicht ausreichend durchblutet wird. Nasenbluten kann die Ursache einer Bewusstlosigkeit, aber auch ein Symptom von schweren Schädel-Hirn-Verletzungen, sein.

Bewusstlosigkeit als Folge von Nasenbluten tritt dann auf, wenn der Blutverlust sehr stark ist, beispielsweise infolge eines Nasenbeinbruchs. Von einem bedrohlichen Blutverlust sprechen Ärzte, wenn die Blutung länger als 20 Minuten andauert und nicht von allein aufhört.5 Bei diesem unstillbaren Nasenbluten kann es zu einem Volumenmangelschock, mit der Folge einer Bewusstlosigkeit, kommen. Hierbei steht dem Körper insgesamt nicht mehr genügend Blut zur Verfügung. Durch den daraus resultierenden Sauerstoffmangel wird das Gehirn unterversorgt und der Patient verliert das Bewusstsein.

Ab welcher Menge ist Nasenbluten lebensbedrohlich?

Ab einem Verlust von circa 20 Prozent der Gesamtblutmenge (entspricht einem Liter bei einem Erwachsenen), besteht Lebensgefahr. Bei Kleinkindern droht diese wegen der im Verhältnis geringeren Blutmenge schon erheblich früher.6

Nasenbluten kann bei Bewusstlosen auch auf ein schweres Schädel-Hirn-Trauma hinweisen und als dessen Begleiterscheinung auftreten. Verletzungen am Schädel oder am Gehirn kommen häufig als Folge von Stürzen oder Verkehrsunfällen vor. Eine bewusstlose Person auf der Straße, die aus der Nase blutet, hat mit großer Wahrscheinlichkeit schwere Kopfverletzungen davongetragen und muss sofort notärztlich versorgt werden.

Blutungen im Nasen- oder Rachenbereich in Kombination mit Bewusstlosigkeit sind eine lebensbedrohliche Situation. Das unbewusste Einatmen von Blut kann hierbei zu einer Lungenentzündung oder zum Ersticken des Patienten führen. Von großer Bedeutung sind deswegen die richtigen Erste-Hilfe-Maßnahmen. Bringen Sie den Patienten unbedingt in die stabile Seitenlage und überstrecken den Kopf, damit das Blut aus Mund oder Nase herausläuft. Alarmieren Sie sofort einen Arzt.

Was der Arzt bei Nasenbluten tun kann

Der Mediziner reagiert unterschiedlich: Je nachdem, ob Sie mit akuten Blutungen (plötzlich und heftig) in die Praxis kommen oder ob Sie die Ursache abklären lassen möchten, weshalb Sie ständig Nasenbluten haben.

Sofortmaßnahmen

Erstes Ziel ist es, die Blutung zu stoppen. Um das zu erreichen, kann der Arzt zu verschiedenen Maßnahmen greifen:

  • Manchmal genügt ein abschwellendes Nasenspray. Das Arzneimittel bewirkt ein Zusammenziehen der Gefäße und das Bluten lässt nach.
  • Kommt das Blut aus dem vorderen Abschnitt der Nase, ist es möglich, die Stelle mit Silbernitrat zu verätzen oder mit einem Laser zu veröden.
  • Bei besonders starken Blutungen wird eine Tamponade gelegt. Diese besteht beispielsweise aus Gaze, Schaumstoff oder einem Silikon-Ballon und übt Druck auf die Blutgefäße aus.

Lässt sich die Blutung durch die genannten Maßnahmen nicht stoppen, kann es nötig sein, das blutende Gefäß mit Hilfe eines kleinen Eingriffs zu verschließen. Bei starkem Blutverlust muss möglicherweise auch eine Bluttransfusion gegeben werden.

Diagnosemöglichkeiten bei wiederholtem Nasenbluten

Wenn ein Patient eine Hals-Nasen-Ohren-Arztpraxis aufsucht, weil er immer wieder mit Nasenbluten zu tun hat, erhebt der Mediziner als erstes die Patientengeschichte (Anamnese). Das Gespräch gibt meistens bereits erste Hinweise.

Im Anschluss folgt im Normalfall die körperliche Untersuchung. Folgende Möglichkeiten gibt es:

  • Mit Hilfe der sogenannten Rhinoskopie begutachtet der Hals-Nasen-Ohren-Arzt die Beschaffenheit der Nasenhöhlen und auch der Nasennebenhöhlen, um so möglicherweise auf eine Krankheit zu schließen.
  • Mittels einer bildgebenden Ultraschalluntersuchung werden Schwellungen der Nasenschleimhaut sichtbar, die eventuell regelmäßige Blutungen verursachen.
  • In sehr seltenen Fällen ordnet der Arzt bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie an, die Schnittbilder der Nase darstellt.

Kann der Hals-Nasen-Ohren-Arzt die Behandlung nicht selbst durchführen, wird der Patient an den jeweiligen Spezialisten (zum Beispiel einen Facharzt für Innere Medizin) überwiesen.

Gerüchte zum Thema Nasenbluten: Was Sie nicht tun sollten

Da Nasenbluten zu den häufigen Problemen gehört, ranken sich zahlreiche Mythen um die richtigen Erste-Hilfe-Maßnahmen. Einige dieser falschen Tipps sind sehr weit verbreitet, wie:

  • den Kopf nach hinten beugen: Viele Patienten mit Nasenbluten neigen den Kopf reflexartig nach hinten, um den Blutfluss aus der Nase einzuschränken. Hierdurch besteht allerdings die Gefahr, dass das Blut den Rachen hinunter rinnt und verschluckt wird. Das Blut im Magen kann starke Übelkeit auslösen und sogar zu Erbrechen führen.
  • auf den Rücken legen: Durch die Rückenlage gelangt das Blut möglicherweise in die Atemwege, was Verschlucken und im schlimmsten Fall Atemnot bewirkt.
  • die Nase ausstopfen: Gerade bei Kindern wird häufig zu Watte oder Taschentüchern gegriffen, um die Nase auszustopfen und so die Blutung zu stillen. Bei der Entfernung des Stopfens besteht allerdings die Gefahr, dass der frisch gebildete Wundschorf aufreißt und das Nasenbluten erneut beginnt.

Übrigens: Das Kühlen mit Eis im Nacken oder der Einsatz von Vereisungssprays kann gefährlich werden. Kälte bewirkt zwar, dass sich die Blutgefäße zusammenziehen und führt so zu einem schnelleren Blutungsstopp. Wer das Eis aber direkt auf die Haut legt, riskiert Erfrierungen der Haut oder einen Kältekopfschmerz. Deswegen immer ein Tuch unterlegen oder speziell ummantelte Kühlpacks benutzen.

Auch das kleine Röllchen aus Mullbinden oder Taschentüchern, das unter die Zunge gelegt wird, ist ein weit verbreitetes Hausmittel gegen Nasenbluten. Dieser Tipp soll die Speichelproduktion anregen und dem Körper so suggerieren, er verliere bereits ausreichend Flüssigkeit. Obwohl sogar einige Rettungsassistenten diesem Gerücht Glauben schenken, ist die Wirksamkeit dieser Methode nicht bewiesen.

Nasenbluten vorbeugen

Wer eine empfindliche Nasenschleimhaut hat, sollte diese regelmäßig pflegen, um Nasenbluten zu vermeiden. Das gelingt mithilfe von pflegenden Sprays oder speziellen Salben, die im Inneren der Nase aufgetragen werden. Wichtig hierbei ist jedoch, keine gewöhnliche Creme zu benutzen, da diese die feinen Härchen in der Nase verkleben könnte und so der Abtransport von Krankheitserregern gestört wird.

Zudem ist trockene Luft Gift für das Riechorgan: Sie greift die empfindliche Schleimhaut an und macht sie rissig, was Nasenbluten begünstigen kann. Achten Sie deshalb immer auf eine angemessene Luftfeuchtigkeit im Raum. Ein Feuchtigkeitsgehalt von 45 bis 50 Prozent ist ideal – mit sogenannten Hygrometern kann dieser überprüft werden.7 Zur Luftbefeuchtung ist nicht immer ein technisches Gerät nötig: Wasserschalen im Raum erfüllen meist auch schon ihren Zweck.

Zusätzlich befeuchten Nasenduschen mit Meersalzwasser die Nase von innen und spülen als Nebeneffekt auch noch Viren, Bakterien und Fremdkörper aus.

Des Weiteren können Sie Folgendes beachten:

  • Eine gesunde, ausgewogene, fett- und fleischarme Ernährung sowie ausreichend Bewegung beugen Bluthochdruck und im Zuge dessen auch Nasenbluten vor.
  • Trinken Sie ausreichend — mindestens 1,5 Liter täglich.8 Das hält Ihren Organismus sowie Ihr Immunsystem in Schwung und sorgt für gut befeuchtete Schleimhäute.
  • Verzichten Sie auf Tabak und konsumieren Sie Alkohol nur in Maßen – beide Genussmittel können die Bildung von Nasentumoren begünstigen, die wiederum häufig für Blutungen verantwortlich sind.
Jana Welsner
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Medizinredakteurin und Lebensmitteltechnologin
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