Was ist ein Schlaflabor?


Ein Schlaflabor ist eine Einrichtung der Schlafmedizin zur Abklärung und Therapie verschiedenster Schlafstörungen und ihrer Ursachen. In einem Schlaflabor werden neben einer allgemeinen körperlichen Untersuchung und der Erhebung der Krankengeschichte meist auch spezielle Tests während des Nachtschlafs vorgenommen. Im Rahmen der nächtlichen Überwachung des schlafenden Patienten werden unterschiedliche Messungen durchgeführt (auch als Polysomnografie bezeichnet), die den Schlaf anhand zahlreicher Abbildungen und Aufzeichnungen genau dokumentieren. Die Ergebnisse der Messungen werden im Überwachungsraum von geschultem Personal überwacht. In Deutschland gibt es mittlerweile über 300 Schlaflabore, die von der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin (DGSM) überwacht und zertifiziert werden.

Schlaflabore können Teil einer Klinik sein oder als stationäre Räumlichkeiten einer Hals-Nasen-Ohren-Praxis angegliedert sein.

Wann ein Aufenthalt im Schlaflabor sinnvoll sein kann


Wer schlecht einschläft, häufig aufwacht oder extrem schnarcht, kann an psychischen Problemen leiden, die falschen Schlafgewohnheiten haben oder von einer organischen Krankheit betroffen sein. Auch die Einnahme schlafstörender Medikamente wie Appetitzüglern oder bestehender Alkoholmissbrauch können für schlechten Schlaf verantwortlich sein. Die Ursachenvielfalt von Schlafstörungen macht es für den Arzt schwierig, die richtige Diagnose zu stellen. Die Behandlung von Schlafstörungen setzt allerdings die genaue Kenntnis des dahinterliegenden Leidens voraus. Liegen folgende Kriterien vor, wird der Arzt deshalb zur Diagnosesicherung den Aufenthalt in einem Schlaflabor mit hoher Wahrscheinlichkeit empfehlen:

  • schwere, chronische (länger als einen Monat andauernde) Schlafstörung, die den Patienten auch am Tage beeinträchtigen
  • kein Behandlungserfolg einer Schlafstörung über mehr als ein halbes Jahr
  • Verdacht auf eine organisch bedingte Störung (zum Beispiel das Schlafapnoe-Syndrom, Herzrhythmusstörungen, Epilepsie etc.)
  • Bettpartner bemerkt Auffälligkeiten im Schlaf, wie Atemaussetzer
  • Verdacht auf eine Fehlwahrnehmung des Schlafzustandes (der Patient klagt über eine schlechte Schlafqualität, obwohl der Arzt zunächst keine Auffälligkeiten feststellen kann)
  • ungeklärte Verhaltensweisen im Schlaf, wie Schlafwandeln oder Zähneknirschen

Ob eine Untersuchung im Schlaflabor notwendig ist, entscheidet der Arzt in Anlehnung an diese von der DGSM entwickelten Kriterien. Allerdings wird bei der Empfehlung auch der individuelle Leidensdruck des Patienten berücksichtigt.

Der Ablauf der schlafmedizinischen Untersuchungen im Labor


Hält der Arzt eine Untersuchung im Schlaflabor für angebracht, wird er den Patienten an ein Schlaflabor überweisen. Im Rahmen eines ersten Vorgesprächs werden dem Patienten weiterführende Fragen zu seinen Schlafgewohnheiten (beispielsweise zur Schlafneigung am Tag) gestellt. Anschließend wird ein Termin für die nächtliche Untersuchung im Schlaflabor festgelegt. Am Tag der Untersuchung sollten die Patienten ihre normalen Gewohnheiten möglichst beibehalten, um die Messung nicht zu beeinflussen.

Das sollten Patienten vor der Nacht im Schlaflabor beachten:

  • keinen Alkohol trinken
  • ab 15 Uhr keine koffeinhaltigen Getränke konsumieren
  • nicht tagsüber schlafen
  • normal essen und bewegen

Damit sich der Patient an die fremde Schlafumgebung gewöhnen kann und um Messfehler zu vermeiden, verbringt dieser meistens zwei Nächte, bei Bedarf auch noch mehr, im Schlaflabor. Am Morgen nach der Untersuchung findet noch ein Entlassungsgespräch zwischen dem behandelnden Schlafmediziner und dem Patienten statt. Eine typische Nacht im Schlaflabor sieht so oder so ähnlich aus:

  • Bis zum frühen Abend: Einchecken im Schlaflabor und Bezug des Einzelzimmers
  • Bis 22 Uhr: Anschluss an die Messgeräte („Verkabelung“)
  • Bis längstens 7 Uhr: Schlaf mit Überwachung durch geschultes Personal
  • Im Anschluss: „Entkabelung“ und Entlassungsgespräch

Obwohl sich der Begriff Labor sehr steril und ungemütlich anhört, bemühen sich die meisten Schlaflabore um eine angenehme Atmosphäre. Es handelt sich um Einzelzimmer mit Waschgelegenheit, zumeist auch mit einem Fernseher.

Die Nacht im Schlaflabor: Welche Messgeräte kommen zum Einsatz?


Schlaf ist kein gleichförmiger Zustand, sondern ein komplexer Prozess, der maßgeblich vom Gehirn mitbestimmt wird. Das Gehirn sorgt dafür, dass wir zwischen den vier verschiedenen Schlafstadien „Übergang vom Wachen zum Schlafen“, „Leichtschlaf“, „Tiefschlaf“ und „Traumschlaf“ (REM-Schlaf) wechseln können. Für die Schlafmedizin ist deswegen die Untersuchung der Hirnaktivität von besonderer Bedeutung. Da sich Schlafstörungen auch anhand anderer Körperaktivitäten zeigen, achten die Schlafmediziner bei der Untersuchung im Labor auch auf:

  • Augen- und Beinbewegungen,
  • die Muskelaktivität,
  • die Körperlage,

Diese für den Schlaf wichtigen Funktionen werden im Schlaflabor mit verschiedenen Messgeräten erfasst (polysomnografische Untersuchung). Die technischen Apparate, die dabei zum Einsatz kommen, sind so konstruiert, dass sie den Patienten möglichst wenig in seiner Bewegung einschränken. Die gängigsten Verfahren zur Überwachung des Schlafs im Schlaflabor sind in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt.

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Verfahren der SchlafdiagnostikZielMessstellen
Elektroenzephalogramm (EEG)Messung der Hirnströme4 Elektroden und Messkabel auf dem Kopf und der Stirn
Elektrookulogramm (EOG)Erfassen der AugenbewegungenJe eine Elektrode neben dem Auge
Elektromyogramm (EMG)Messung der MuskelbewegungenZwei Elektroden am Kinn und an anderen Stellen des Körpers (zum Beispiel am Bein)
SchnarchmessungAufnahme der SchnarchgeräuscheEin Mikrophon am Kehlkopf
PulsoxymetrieMessung der Sauerstoffsättigung im BlutSonde auf der Fingerkuppe
AtmungsbewegungsanalyseMessung der AtembewegungenEin Gurt am Brustkorb, ein Gurt am Bauch
AtemflussanalyseMessung der Nasen- und MundatmungEin Atemfühler unter der Nase
LagekontrolleMessung der KörperlageLagesonde in die Gurte integriert
Elektrokardiogramm (EKG)Messung des BlutdrucksZwei Elektroden an Brustkorb, Hand- oder Fußgelenken

Je nach individuellem Fall können noch andere Messgeräte zum Einsatz kommen. Schlafwandler beispielsweise können ergänzend mittels einer Infrarotkamera überwacht werden. Vor dem Einsatz einer Kamera werden die Patienten vom medizinischen Personal informiert.

Schlafen unter Kabeln – ist das überhaupt möglich?

Viele Patienten befürchten, unter der ganzen Verkabelung nur schlecht schlafen zu können. Die moderne Schlafmedizin arbeitet mit einer sensiblen – jedoch sehr unauffälligen – Messelektronik. Die Drähte der Elektroden werden hinter dem Kopf in einer Art Pferdeschwanz zusammengeführt, sodass der Patient nur wenig in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist. Während in der ersten Nacht im Schlaflabor 30 Prozent der Patienten noch schlechter schlafen als zu Hause, empfinden fast alle Patienten die zweite Nacht als sehr angenehm.

Vor dem Einschlafen werden sämtliche Elektroden mit den dazugehörigen Kabeln über dem Bett verbunden. Eine kurze Unterbrechung der Messung (zum Beispiel beim Toilettengang) ist sehr schnell möglich.

Nach dem Labor: Das weitere Vorgehen der Schlafmedizin


Nachdem die Messung abgeschlossen ist, dauert es einige Tage, bis die Auswertung vorliegt, da es viele hundert Seiten mit Kurven und Diagrammen auszuwerten gilt. Bei Patienten, die nicht zu wenig, sondern zu viel schlafen, kann noch eine sogenannte Tagschlafuntersuchung notwendig sein. Hierfür bleiben die meisten Instrumente aus der Nachtuntersuchung am Körper des Patienten. Wenn die Ursache der Schlafstörung erkannt ist, schließen sich unterschiedliche Behandlungskonzepte der Schlafmedizin an.

Liegt der Schlafstörung beispielsweise ein Schlafapnoe-Syndrom zugrunde, empfiehlt der Arzt häufig das Tragen einer Überdruckmaske (sogenanntes CPAP-Gerät) während der Nacht. Nächtliches Schlafwandeln wird hingegen nur dann behandelt, wenn es regelmäßig auftritt und zu erwarten ist, dass es zu gefährlichen Situationen für den Patienten kommen kann. Schlafstörungen, die durch psychische Erkrankungen ausgelöst werden, können durch Medikamente gedämpft werden, erfordern aber unbedingt eine begleitende Psychotherapie. Die Verbesserung des Schlafs führt oft auch zu einer Verbesserung der psychischen Erkrankung.

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