Anosmie und Hyposmie: Verminderung des Geruchssinns

Wann haben Sie das letzte Mal etwas bewusst gerochen? Falls Sie sich nicht daran erinnern, ist das nicht unbedingt bedenklich. Denn Riechen läuft überwiegend automatisch und unbewusst ab. Riechproblemen bemerken viele meist erst dann, wenn sie weniger schmecken. Das Riechvermögen ist nämlich entscheidend, um das volle Aroma von Speisen genießen zu können. Bei einer verminderten Riechfähigkeit spricht der Arzt von einer Hyposmie, bei komplettem Verlust von einer Anosmie.

Eine junge Frau kann trotz Hyposmie noch den Duft von Blumen riechen

Riechsinn auf dem Prüfstand

Der Geruchssinn ist, wie andere Sinne auch, eine subjektive Empfindung und von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Eine Riechstörung liegt vor, wenn die Riechleistung stark vom Normwert abweicht.
Bei Verdacht auf eine Hyposmie oder Anosmie kann ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Arzt) einen Riechtest (Olfaktometrie) durchführen. Dabei schnuppert der Patient an Riechstiften mit verschiedenen Gerüchen wie Zimt, Vanille oder Terpentin (Kiefern-Öl) in unterschiedlichen Konzentrationen.

Im Alter lässt das Riechen nach

Mit fortschreitendem Alter vermindert sich die Riechleistung in der Regel. Auch bei anderen Sinnen wie dem Hören ist das der Fall. Bei der Kontrolluntersuchung des Riechorgans wird daher berücksichtigt, wie alt der Patient ist. Was bei einem Jugendlichen als Riechstörung diagnostiziert wird, gilt bei einem älteren Menschen noch als normal. Daneben ist bei Senioren eine krankhafte Verminderung des Riechens, eine Hyposmie, häufiger: Circa die Hälfte der über 80-Jährigen hat sein Riechvermögen vollständig verloren – sie haben eine Anosmie.1

Eingeschränkte Geruchsfähigkeit: Die Hyposmie

Probleme mit dem Riechen oder dem Geruchssinn allgemein werden als Dysosmien bezeichnet. Es gibt viele verschiedenen Formen und Ausprägungen von Riechstörungen. Wissenschaftler vermuten, dass etwa 16 Prozent der Bevölkerung unter einem reduzierten Riechvermögen, einer Hyposmie, leiden.2

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Das Gegenteil der Hyposmie ist die Hyperosmie, bei der Riechsinneszellen übermäßig auf Geruchsreize reagieren und Gerüche intensiver wahrgenommen werden als normal. Diese Form tritt zum Beispiel während Migräneattacken auf.

Verlust des Geruchssinns: Die Anosmie

Können keine Gerüche mehr wahrgenommen werden, sprechen Mediziner von einer Anosmie. Die Störung kann angeboren sein oder erst im Lauf des Lebens entstehen.
Neben dem kompletten Verlust des Geruchssinns kommen auch andere Ausprägungen der Anosmie vor:

  • funktionelle Anosmie: deutliche Einschränkung des Riechvermögens, aber geringe „Restwahrnehmung“ von Dufnoten
  • spezifische Anosmie: nur einzelne Düfte können nicht gerochen werden, die restliche Riechleistung ist normal

Schätzungen zufolge leiden insgesamt circa fünf Prozent der Bevölkerung weltweit unter einer Anosmie. Mädchen und Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer und Jungen.3

Ursachen der Hyposmie und der Aposmie

Eine verminderte Riechleistung (Hyposmie) beziehungsweise deren Ausfall kommt zustande, wenn Duftstoffe weniger Reize an den Sinneszellen der Riechschleimhaut auslösen. Die Ursachen liegen in den meisten Fällen an Schäden der Nase oder Nasennebenhöhlen, etwa infolge von

Daneben kann eine Beeinträchtigung bei der Weiterleitung von Geruchsreizen zum Gehirn vorliegen.

Hyposmie oder Aposmie sind unter Umständen auch Symptome einer Krankheit. Zum Beispiel treten beim Empty Nose Syndrome häufig Störungen des Geruchssinns auf. Wer dieses Beschwerdebild aufweist, bekommt nur schlecht Luft durch die Nase, obwohl die Atemwege eigentlich nicht verstopft sind.
Weitere Ursachen für eingeschränktes Riechen und Anosmie sind:

  • Diabetes mellitus
  • Allergie
  • HIV-Infektion
  • Schädel-Hirn-Trauma nach einem Unfall
  • Gesichtsverletzung
  • Nebenwirkung von Medikamenten wie Antihistaminika (gegen allergische Reaktionen) oder Antidepressiva

Ebenso leidet der Großteil der an Parkinson Erkrankten an einer Riechstörung, sodass die Diagnose „Parkinson“ noch einmal überprüft werden muss, falls eine normale Riechleistung vorliegt. Morbus Parkinson ist eine Krankheit der Nerven, die vor allem die Beweglichkeit und Bewegungsabläufe stark beeinträchtigt und bisher noch nicht heilbar ist.

Anosmie & Hyposmie – Weniger Riechen, weniger Lebensqualität

Frisch aufgebrühter Kaffee, Blumenduft, Sommerregen oder der Geruch des eigenen Kindes: Wie schlimm es ist, all dies nicht mehr riechen zu können, ist schwer vorstellbar. Hinzu kommt, dass nicht nur der Geruchs- sondern auch der Geschmackssinn heruntergeschraubt ist. Betroffene einer Hyposmie oder Aposmie büßen einen Teil ihrer Lebensqualität ein. Aber nicht nur Momente des Genusses werden weniger, es erhöht sich auch das gesundheitliche Risiko. Die Nase warnt nämlich vor Gefahren wie Feuer, gefährlichen Gasen oder verdorbenem Essen.

Hilfe bei Anosmie oder Hyposmie

Stellen Sie bei sich Probleme bei der Wahrnehmung von Gerüchen fest, sollten Sie zum Hausarzt gehen. Dort erhalten Sie, falls nötig, eine Überweisung zum HNO-Arzt, der einen Riechtest durchführen und die Ursachen feststellen kann.
Nicht immer gibt es eine geeignete Behandlungsmöglichkeit der Hyposmie oder Anosmie. Dennoch lassen sich einige Ursachen beheben. Im Falle von Nasenpolypen oder einer schiefen Nasenscheidewand kann eine Operation das Riechvermögen wiederherstellen.

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1 HNO Ärzte im Netz. Abgerufen unter: http://www.hno-aerzte-im-netz.de. (Stand: 06.12.2017)
2 Uniklinikum Dresden. Abgerufen unter: https://www.uniklinikum-dresden.de (Stand: 06.12.2017)
3 Uniklinikum Dresden. Abgerufen unter: https://www.uniklinikum-dresden.de (Stand 06.12.2017)