Nasenbohren: Ist popeln gesund?

Nicht nur kleine Kinder pulen häufig in der Nase. Auch Erwachsene popeln in der Nase – vor allem in Situationen, in denen sie sich unbeobachtet fühlen. Eklig oder? Nasenbohren wird bei Erwachsenen als unhygienisch erachtet. Und den Popel anschließend zu essen geht erst recht gar nicht. Dabei weisen einige neuere Studien auch auf Vorteile durch das Nasenbohren hin.

Ein kleines Mädchen beim Nasenbohren.

Warum popeln wir in der Nase?

Nasenbohren ist eine Angewohnheit, bei der der Finger in die Nase eingeführt wird, um angetrocknetes Nasensekret zu entfernen. Verkrustungen in der Nase können ein Fremdkörpergefühl verursachen und die Nasenatmung erschweren, sodass das Entfernen des Nasenpopels mit dem Finger schnelle Erleichterung bringen kann. Ebenfalls kann starkes Jucken in der Nase ein Grund für Nasenpopeln sein.

Gut zu wissen:
Die meisten Menschen popeln gelegentlich – bewusst oder unbewusst –, wenn es in der Nase kribbelt oder sie verstopft ist. Gesellschaftlich verpönt ist das Nasenbohren in der Öffentlichkeit jedoch noch immer. Das musste nicht zuletzt Bundestrainer Joachim Löw erfahren, der während der Fußall-Weltmeisterschaft 2010 vor laufenden Kameras auf der Trainerbank in der Nase gebohrt hat und damit für Aufsehen sorgte.

Nasenpopeln bei Kindern

Vor allem bei Kindern kommt Nasenbohren, ähnlich wie Daumenlutschen, häufig vor und ist kein Grund zur Sorge. Kinder sind sehr neugierig und wollen alles entdecken – das schließt die eigenen Nasenlöcher mit ein. Gefährlich ist das fürs Kind in der Regel aber nicht, auch wenn ein Popel mal im Mund landen sollte. Manchmal können sich Kinder jedoch beim Nasenbohren aufkratzen, was zu
Nasenbluten führen kann. In diesem Fall sollten Eltern darauf achten, dass ihre Kinder nicht mehr in der Nase popeln, bis die Verletzung verheilt ist.

Zwanghaftes Nasenbohren

Neben gelegentlichem Nasenpopeln aus Langeweile oder um die Nasenlöcher freizumachen, gibt es Menschen, die an zwanghaftem Nasenbohren leiden. Das suchtartige Nasenbohren ist ein Verhalten mit Krankheitswert, dass als Rhinotillexomanie bezeichnet wird.

Rhinotillexomanie setzt sich aus den lateinischen Wörtern
„rhino“ = Nase,
„tillexis“ = die Gewohnheit zu bohren und
„manie“= der Zwang, etwas tun zu müssen
zusammen.

Bisher gibt es noch keinen ausreichenden Forschungsstand zu dem Phänomen des exzessiven Nasenbohrens und keine klare Definition, ab wann das Nasenbohren tatsächlich als krankhaft eingestuft werden kann. In den meisten Fällen beobachten Mediziner eine Verbindung zu anderen Zwangsstörungen, wie zum Beispiel Nägelkauen. Betroffene können diese Angewohnheit nicht mehr selbstständig kontrollieren. Die Nase leidet unter diesem übermäßigen Nasenpopeln, etwa wenn empfindliche Gefäße in der Nase verletzt werden. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Durchbruch (Perforation) der Nasenscheidewand kommen.

Aber auch die Tabuisierung des Nasenbohrens belastet Betroffene zusätzlich und verschlimmert unter Umständen psychische Probleme. Um das zwanghafte Popeln in den Griff zu bekommen, wird Betroffenen meist eine psychotherapeutische Behandlung angeraten.

Ist Popel essen gesund oder nicht?

Nasenpopler haben das Problem: wohin mit dem Popel? Kinder schmieren das Nasensekret meist einfach an Kleidung oder Gegenständen ab – oder sie stecken es schnell in den Mund. Das Essen von Popeln wird in der Medizin als Mukophagie bezeichnet.

Mediziner sind sich uneinig, ob Popel essen nun schädlich oder sogar gesund ist. Einige Ärzte weisen darauf hin, dass ohnehin ein Großteil des Nasensekrets über den Nasen-Rachenraum hinuntergeschluckt wird. Die Bakterien würden von der Magensäure im Magen vernichtet werden. Einige Forscher kommen in ihren Studien außerdem zu der Ansicht, dass Popel essen das Immunsystem stärken kann. Demnach enthalte das Nasensekret viele gute Bakterien, die uns sowohl vor schädlichen Zahnerkrankungen schützen, sowie Atemwegserkrankungen und Magengeschwüre vorbeugen können.1

Andererseits warnen Hals-Nasen-Ohrenärzte, dass sich auf den Fingern oft viele Keime (wie Staphylokokken) befinden, die beim Nasenbohren in die Nase gelangen und Krankheiten (zum Beispiel Nasennebenhöhlenentzündungen) verursachen können. Um die Nase nachhaltig frei zu bekommen, werden deshalb Nasendusche, Nasensalben oder Nasenöle empfohlen. Außerdem sollten Sie – wenn dann – nur mit einem Taschentuch über den Fingern popeln. Dadurch schützten Sie sich vor ungesunden Keimen und können den Popel gleich mit dem Taschentuch entsorgen. Ein positiver Nebeneffekt: Sie verzichten auf argwöhnische Blicke Ihres Umfeldes.

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1 Wilcox, B.(2017): Scientists say eating your own boogers boosts immune function. In: Natural News. Online abgerufen unter:
http://www.naturalnews.com/2017-04-29-picking-your-nose-and-eating-it-may-strengthen-your-immune-system.html#
(Stand: 28.08.2017).